Anfang Dezember wurden vier Blockheizkraftwerke und viele weitere Heiz- und Stromgeräten nach Charkiw transportiert und Krankenhäusern in der Region übergeben. Die Klinikleitungen bedankten sich überschwänglich. Des Weiteren brachte Peter Steger am 4.Advent einen Verwundeten-Transporter in die Ukraine, gefüllt mit weiteren Hilfsgütern und Stromerzeugern. Alles kam gut an.
Zeitungsbericht: Zehn Tonnen Hilfsgüter für die Partnerstadt
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Berichte von Peter Steger:
So kurz der Tag, so lang die Nacht (22.12.2025)
Es wurde die längste Nacht gestern, nicht nur der Wintersonnenwende wegen. Es waren vor allem die Ereignisse des vierten Adventssonntags, die ihre ganz eigene Wirkung entfalteten.
Es wollte um 3.30 Uhr noch lange nicht Tag werden, als wir von Erlangen aus losfuhren, meine Frau in unserem betagten VW-Golf vorneweg, ich, hinter ihr drein, in dem zwölf Jahre alten, aber bestens erhaltenen VW-Transporter mit Automatikgetriebe, von uns gekauft für 10.000 Euro in Bad Kötzting zur Beförderung von Verwundeten, um gegen 4.00 Uhr meinen Bruder Volker in Hersbruck abzuholen, und erst recht nicht wollte sich das Morgenlicht gegen 8 Uhr durchsetzen, nachdem wir den Tunnel vor Görlitz verlassen hatten und im polnischen Dauernebel um14.00 Uhr in Jarosław, kurz vor der ukrainischen Grenze eintrafen, um unsere Zollpapiere in der Agentur abzuholen, die wir mit viel Einsatz von Alex Lissak, dem Organisationsgenie des Partnerschaftsvereins Nürnberg-Charkiw, vorab online ausgefüllt und vorbereitet hatten.
Nun könnte ich davon erzählen, wie lange es dennoch dauerte, bis wir die Papiere erhielten, wie viele Stunden wir für dreieinhalb Kilometer bis zur Abfertigung an beiden Grenzübergängen brauchten - 16 Stunden! -, welche Hindernisse sich uns alle in den Weg stellten, wie traurig ich war, Slawa nur für eine kurze Umarmung zu sehen, weil er durch die Verzögerung am Zoll schon viel zu lange seiner Einheit ferngeblieben war, vor allem aber von meiner Freude, den Freund in guter Stimmung vorzufinden, begleitet von seinem Kameraden Sascha, einem, wie gleich zu spüren war, vom gleichen Pfundskerl-Kaliber wie Slawa.
Aber ich will es kurz machen und morgen das eine oder andere Detail nachliefern, wenn ich ausgeschlafen habe. Wir sind jedenfalls seit 19 Uhr wieder wohlbehalten in Hersbruck bzw. Erlangen zurück, durchaus erschöpft nach 2.200 km Fahrt, aber voller Begeisterung für die beiden Soldaten. Denn nur kurz nach unserem Eintreffen in Franken erreichten Slawa und Sascha schon Charkiw und übergaben die von mir geladene humanitäre Hilfe aus Nürnberg an eine Stiftung, die mit dem Partnerschaftsverein zusammenarbeitet. Unglaublich!
Slawa und Sascha fahren noch heute, mitten in der Nacht, mit ihrem Transporter aus Erlangen, von dem sie sich schon gar nicht mehr trennen mögen, wie sie schreiben, weiter zu ihrer Einheit die weiter viel zu tun hat, die Heimat vor den gegenwärtig wieder schweren Angriffen der russischen "Heiligen Krieger" schützen. So kurz der Tag, so lang die Nacht auch und gerade für diese beiden, die die ganze letzte Nacht auf mich warteten und nun auch diese Nacht wieder unterwegs sind. In den Händen solcher Männer ruht das Kriegsglück der Ukraine. Es ist dort gut aufgehoben. Ruhm der Ukraine!
P.S.: Nur wie soll sich die Ukraine gegen den Verrat der USA wehren, die weiter auf Gebietsabtretungen bestehen, um den Kreml zu besänftigen?! Kein Land der Welt wir je wieder Atomwaffen gegen Schutzversprechen abgeben. Das hat der Genosse im Weißen Haus sich als Verdienst anzurechnen. So kurz der Tag war, als wir von einer atomwaffenfreien Welt träumten, so lang wird die atomare Nacht...
Wenn schon dunkel, dann Nacht (23.12.2025)
Derlei sinnfreie Sentenzen fallen im Zustand der Übernächtigung über meinen ebenso schweren wie leeren Kopf her, gleich Rabenvögeln über abgeerntete Felder. Erst allmählich ordnet sich meine Gedankenwelt wieder, kann ich einigermaßen strukturiert wiedergeben, was da so alles während der vergangenen zwei Tage in Gang kam, stockte, anhielt und wieder Fahrt aufnahm.
Beginnen wir bei der Vorbereitung der Ausfuhr des VW-Transporters für die Einheit meines Freundes Slawa. Angeregt von und unterstützt durch den kundigen Alex Lissak vom Partnerschaftsverein Nürnberg-Charkiw hatten wir, meine Frau und ich, über virtuelle Stunden hinweg vorab die Deklaration für das Fahrzeug bis auf das letzte i-Tüpfelchen vorbereitet. Allerdings irrten wir im Glauben, nun, vor Ort, bei der Zoll-Agentur an einer Tankstelle in der Nähe von Jarosław die Dokumente einfach gegen Zahlung von 40 Euro in Empfang nehmen zu können. Nein, die Dame erklärte uns, sie müsse das nun alles nochmals überprüfen und dann weiterleiten an die zuständige Stelle an der polnisch-ukrainischen Grenze. Erst wenn dort alles bestätigt werde, könnten wir weiterfahren. Wir sollten uns auf eine Stunde Wartezeit einrichten. Immerhin aber gab es keine weiteren Nachfragen, unsere Papiere waren tadellos in Ordnung. Doch wir irrten schon wieder im Glauben, als wir um 15.30 Uhr alles gestempelt und gesiegelt in Händen hielten, und davon ausgingen, nun werde zumindest an der Grenze alles ganz schnell gehen. Dort nämlich trennten sich - weit nach Mitternacht - unsere Spuren, und ich wurde in den Bereich für "Transfer"-Kfz umgeleitet, während mein Begleitfahrzeug, unser Golf, die normale Fahrbahn nehmen konnte und innerhalb von einer halben Stunde abgefertigt war.
Für mich begann ein fast vierstündiger Wartemarathon. Zunächst eine gute Stunde mit sechs weiteren Fahrzeugen stehen, dann zuerst von einer Beamtin, darauf, einen Schalter weiter, von ihrem Kollegen kontrolliert. Obwohl doch die Agentur am Nachmittag schon alles angemeldet hatte... Absolut unverständlich, wie das so lange dauern kann. Nach dieser Erfahrung mit der polnischen Bürokratie werde ich mich lange nicht mehr über administrative Schikanen hierzulande beschweren.
Auf der ukrainischen Seite, am Montagmorgen gegen 5 Uhr, lief hingegen alles wie am Schnürchen. Ich rannte hier zwar auch von Schalter zu Schalter und wunderte mich über die Zettelwirtschaft, aber innerhalb einer Stunde hatte ich alle Papiere gestempelt und gesiegelt beisammen und konnte Slawa und Sascha gegen 6 Uhr überglücklich den Schlüssel des VW-Transporters überreichen. Nadja und Volker hatten inzwischen mit den beiden ausführlich sprechen können und eine kluge Entscheidung getroffen: Sie reihten sich ein in die Kolonne der Fahrzeuge zurück, Richtung Westen und standen just in dem Moment gegenüber der Tankstelle, wo ich mit den beiden Soldaten in einem Wiedersehen und Abschied feierte. Ich brauchte nur noch zu winken und einzusteigen...
Den Moment nutzte eine Ukrainerin, um uns zu bitten, sie über die Grenze bis zum nächsten Parkplatz auf der polnischen Seite mitzunehmen. Wie sollten wir da "nein" sagen, zumal wir ja wußten, daß man zu Fuß nicht durchgelassen wurde. Die Lembergerin macht diesen Weg - hin und zurück - einmal in der Woche, um in Polen zu arbeiten. Und neuerdings muß sie, wie alle Nicht-EU-Bürger, jedes Mal ihre Fingerabdrücke abgeben und sich ablichten lassen, was natürlich auch wieder Zeit kostet und uns an eine Grenzerfahrung mit Apartheid denken macht. Um 8.30 Uhr hatten wir dann gestern all die 16 Stunden des Hinüber und Herüber hinter und eine zehneinhalbstündige störungsfreie Heimfahrt vor uns.
Nochmals zu der langen Wartezeit vor der Grenze am 4. Adventssonntag. Sie war wohl auch bedingt durch den Transport von Nachschub für die Front. Der Unmensch im Kreml geht ja nicht auf den Vorschlag von Kanzler Friedrich Merz ein, zumindest über Weihnachten die Waffen schweigen zu lassen. Also donnerten an uns auf der freien Spur neben unserer Schlange in größerem Abstand zwei Kolonnen mit je zwanzig Tiefladern und Sattelschleppern, vorn und hinten von Polizei eskortiert, an uns vorbei, während in der Gegenrichtung sogar sechs derartiger Kavalkaden unterwegs waren, um im nahen Rzeszów, dem Drehkreuz für die Waffenlieferungen der "Allianz der Willigen", das Material zu holen, was die Ukraine für den Sieg braucht.
Und die ganze lange Wartezeit hörte ich im Radio auf Ukrainisch Berichte von der Front ebenso wie über Gewalt in der Familie, Fragen der Abgrenzung von der russischen Kultur, über die Landwirtschaft und die Probleme einer Ukraine im Frieden, wo sich Soldaten mit Kriegsdienstverweigerern wieder an einen Tisch werden setzen müssen, über alles, was das Land bewegt.
Eine Erfahrung möchte ich allerdings auch nicht missen. Zum ersten Mal hielt ich den Paß meines jüngeren Bruders in Händen, und da steht doch tatsächlich, er sei ganze drei Zentimeter größer als ich. Der "kleine" Bruder kann er aber aus einem ganz anderen Grund nie mehr werden. Als wir ihn nämlich nach Hersbruck zurückbrachten, versicherte er unaufgefordert, beim nächsten Einsatz dieser Art könnten wir wieder auf ihn zählen. Volker, Du bist aber ganz schön gewachsen in diesen zwei Tagen, mehr als in all den Jahren zuvor!
Nur mein Schutzengel saß neben mir (24.12.2025)
Zwei Begebenheiten, die sich während der Überführung unseres VW-Transporters in die Ukraine zutrugen, möchte ich noch nachliefern. Beide Erlebnisse erfüllen mich mit tiefer Dankbarkeit.
Mein Dank gilt dem Vorbesitzer des Fahrzeugs, dem Vermessungsamt Landshut, für die vorbildliche Wartung. Natürlich hatte ich vor dem Kauf des Wagens eine Probefahrt gemacht, natürlich hatte ich vor der Abreise am vierten Advent schon genug Erfahrung mit ihm gesammelt, aber die Probe aufs Exempel machte ich erst in Polen, auf der Strecke zwischen Kattowitz und Krakau, als mein vorausfahrendes Begleitfahrzeug mit meinem Bruder Volker am Steuer auf vermeintlich freier Strecke plötzlich eine Vollbremsung vollführte, weil in einer Talsenke ein Polizeiauto mit Blaulicht eine Unfallstelle sicherte. Gottlob hatte ich ausreichend Abstand - gut 200 Meter - gehalten und war hellwach. Innerhalb von Sekundenbruchteilen hatte ich zu entscheiden, ob ich bei einer Geschwindigkeit von 110 km/h zwischen den Polizisten und unserem Golf eine Lücke finden würde, oder ob ich meinen Transporter - mit der ganzen Nutzlast in Form von Generatoren und ihrem beträchtlichen Schubgewicht - zum Halten bringen mußte. Ich entschied mich für letzteres, blieb damit allerdings nur erfolgreich, weil die Bremsen und das Antiblockiersystem mustergültig auf nebelfeuchter Straße mit den eigens montierten neuen Winterreifen interagierten. So gut, daß meine Frau als Beifahrerin und mein Bruder am Lenker gar nicht bemerkt hatten, was sich da knapp-knapp hinter ihrem Kofferraum abspielte. Wir fuhren einfach weiter - ich freilich mit noch langem angehaltenem Atem und klopfendem Herzen -, und von der Geschichte erzählte ich erst kurz vor der Grenze... Nur mein Schutzengel saß die ganze Zeit beruhigend neben mir.
Die andere Erfahrung geht so: Meine Frau hatte als geborene Russin schon bei unserer Ukraine-Reise an Mariä Himmelfahrt ihre verständlichen Bedenken, was eine ungehinderte Einreise betraf. Damals nahm die Grenzbeamtin unsere Pässe an sich, schloß für einige Minuten den Schalter und gab uns, nicht ohne eine gute Reise zu wünschen, die Ausweise zurück. Dieses Mal fragte man sie bei der Kontrolle, wo denn in der Ukraine Wladimir, ihr im Paß angegebener Geburtsort, liege. Dort gibt es ja tatsächlich ein Wolodymyr-Wolynskyj... Meine Frau antwortete natürlich wahrheitsgemäß auf die rhetorische Frage und sollte dann nur noch sagen, wann sie dort das letzte Mal gewesen sei. 2019 war das, lange vor dem Überfall der russischen Armee auf die Ukraine... Und auch jetzt wieder, ohne weiter nach Ziel und Zweck der Reise zu fragen: "Gute Weiterfahrt!" Auch sie hat wohl einen Schutzengel neben sich sitzen. Oder sieht ihr ein Ukrainer an, was sie alles für sein Land tut?
Warum Serhij Gajdak am 21. März 2023 keinen Schutzengel neben sich hatte, weiß nur der Himmel. Er fiel damals bei der Verteidigung der Region Charkiw und wurde vorgestern, als wir auf dem Rückweg von der Ukraine nach Hause waren, in unserer Solidarpartnerstadt Browary beigesetzt. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie Familie und Freunde von ihm für immer Abschied nahmen, wie sie jetzt Weihnachten feiern werden. Ich möchte mir lieber vorstellen, wie der Racheengel die Verbrecher zur Rechenschaft zieht, die den Tod des Verteidigers der Freiheit zu verantworten haben.
Es wird wieder ein trauriges Weihnachten, und wir alle wissen nicht, wie lange noch unser Schutzengel neben uns sitzen bleibt. Ich hoffe und bete nur, daß er den Transporter aus Landshut in der Ukraine nie verlassen möge. Das wäre das größte Weihnachtsgeschenk für mich, wenn man sich schon, geplagt von der Einsicht in die Wirklichkeit, den Frieden nicht mehr wünschen darf. Ich laufe jedenfalls heute noch zu meinem "ukrainischen" Kreuz im Tennenloher Forst bei den Wildpferden und lege dort einen Stein für den Sieg der Ukraine ab.
P.S.: Wer noch nicht den letzten Notgroschen für Weihnachtsgeschenke ausgegeben hat und mit uns die Ukraine weiter unterstützen möchte, überweise einen Obolus auf das Konto des Partnerschaftsvereins Charkiw-Nürnberg e. V. DE12 7605 0101 0001 3500 58. Jede Spende mit dem Vermerk „Verwundetentransport“ kann man steuerlich geltend machen. Ab 200 € wird dafür automatisch eine Spendenbescheinigung ausgestellt.
Fortsetzung folgt sicher eines Tages…
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An Mariä Himmelfahrt brachten wir Slawa Awramenko mit der Friedensgeige im Gepäck über die polnische Grenze in die Ukraine. Heute, am vierten Advent, überführen wir, meine Frau Nadja, mein Bruder Volker und ich, für den Soldaten in seine Heimat einen VW-Transporter, den sich der 34jährige für seine Einheit zur Beförderung von Verwundeten und Nachschub so dringend wünschte. Aber der Reihe nach.
Damals, am 15. August 2025, dankte der Kriegsinvalide all jenen in Erlangen, die ihm geholfen hatten, buchstäblich wieder auf die Beine zu kommen.
„Wenn ich nun nach zweieinhalb Jahren der Behandlung in Erlangen wieder nach Charkiw zurückkehre, tue ich das nur dank all den vielen wunderbaren Menschen, die sich hier um mich kümmerten. Sechs Tage nach Beginn des russischen Vernichtungskriegs gegen mein Land hatte ich mich freiwillig an die Front gemeldet und wurde am 21. Januar 2023 bei den Kämpfen um Bachmut schwer verwundet. Nach 18 Operationen konnte man mir in der Ukraine medizinisch nicht mehr helfen, und so kam ich im Rahmen eines Aufnahmeprogramms im März 2023 an das Universitätsklinikum Erlangen. Hier folgten 34 weitere Eingriffe, zumeist unter Vollnarkose. Immerhin hatte ich überlebt. Aber es gelang nicht, mein rechtes Bein zu retten, es wurde sozusagen auf Raten amputiert. Fast ein Jahr blieb ich ans Bett gefesselt, bevor ich die erste von sieben weiteren Interimsprothesen tragen und mich wieder bewegen konnte. Von da an nahm mein Leben eine neue Wendung, ich kam buchstäblich wieder auf die Beine. Vor genau einer Woche erhielt ich nun die endgültige Prothese, mit der meine Behinderung fast nicht mehr zu bemerken ist. Ich werde zwar nicht mehr an vorderster Front kämpfen können, aber ich will nun meinen Beitrag zur Verteidigung der Freiheit meines Landes als Drohnenpilot oder Ausbilder leisten.
Lassen Sie mich zum Abschied all den Menschen in Erlangen danken, die dem Aufruf der Erlanger Nachrichten vor genau 13 Monaten folgten und mir mit ihren Spenden so großzügig halfen. Sogar ein Wohltätigkeitskonzert und eine Benefizlesung mit Johannes Wilkes veranstaltete man für mich. Mein Dank gilt der Bürgerstiftung Erlangen, aber natürlich besonders den medizinischen und orthopädischen Teams, denen es mit enormem Aufwand gelang, mich mit ihrem großartigen Können zurück ins (fast) normale Leben zu holen. Dankbar denke ich zurück an die Möglichkeit, bei Kundgebungen der Christen für den Frieden sprechen zu können, und an die von Rotary Höchstadt vermittelten Auftritte in Schulen, beim Technischen Hilfswerk und bei der Bundeswehr, wo ich von meinem Schicksal berichtete.
Ich trage nun für immer ein medizinisches Stück Erlangen in mir. Aber ich nehme auch ein berührendes musikalisches Geschenk in meine Heimat mit: Alfred Binner, Instrumentenbauer aus Großenseebach, spendete eine Geige im Wert von 16.000 Euro aus seiner Werkstatt, und Rotary Höchstadt finanzierte gemeinsam mit Rotary Ohm aus Erlangen den dazugehörenden Bogen für 1.500 Euro. Ich freue mich, diese Violine als Zeichen des Friedens mit nach Charkiw nehmen zu können, wo ich sie dieser Tage der Staatlichen Universität für Künste übergebe.
Es ist einzigartig, was Erlangen und ganz Deutschland für die Verwundeten und Flüchtlinge aus der Ukraine leistet. Bitte lassen Sie nicht nach in Ihrer Unterstützung für mein Land. Bewahren Sie sich Ihre Hilfsbereitschaft. Es gibt noch viele wie mich. Die Ukraine braucht Sie! Wir sehen uns wieder!“
Nun sehen wir uns tatsächlich heute wieder und übergeben unserem Freund, dessen drei Töchter mit der Mutter in Erlangen blieben und hier die Schule besuchen, den VW-Transporter, den wir in gebrauchtem, aber einwandfreiem Zustand vor einer Woche für 10.000 Euro bei Auto-Huber in Bad Kötzting kauften und in der Kfz-Werkstatt von Johannes Lehmann in Forchheim mit Winterreifen – die Montage ging dankenswerter Weise auf’s Haus – ausrüsten ließen. Am Freitag dann die Beladung des Fahrzeugs in Fürth und Nürnberg mit Hilfsgütern, hauptsächlich Generatoren, gespendet von Privatleuten, und gestern kamen auch noch Decken, Matratzen und Verbandsmaterial aus dem Hotel Luise in Erlangen dazu. Von den vielen nützlichen und feinen kleinen Dingen ganz zu schweigen, die wir als persönliche Dreingabe mitnehmen.
Wir feiern heute nicht nur den vierten Advent und wünschen uns einen gerechten Frieden für die Ukraine, mit der heutigen Wintersonnwende hoffen wir auch, es möge sich alles zum Besseren für das kriegsgeplagte Land wenden, und der nun auch kalendarisch beginnende Winter möge nicht zu bitter werden, nachdem sich ja die nach eigenem Anspruch allerchristlichste Armee in ihrem niederträchtigsten Kampf für die „traditionellen russischen Werte“ seit dem Herbst wieder alle Mühe gibt, die zivile Infrastruktur des Nachbarn zu zerstören.
Bei der Abholung des Fahrzeugs fragte mich der Autohändler, warum ich bereit sei, privat für die Ukraine-Hilfe so viel Geld auszugeben. „Weil ein Menschenleben viel mehr Wert ist als 10.000 Euro. Und wenn das Auto auch nur ein einziges Menschenleben rettet, war es die Sache wert“, antwortete ich mit den Worten meiner Frau.
Als unser Freund von unserer Entscheidung erfuhr, das „Slawamobil“ selbst zu finanzieren, wehrte er natürlich ab. Viel zu teuer! Schließlich gab er aber unserer friedlichen Belagerung nach, zumal wir ihm versicherten, wir würden im Freundes- und Verwandtenkreis Unterstützung für die Mission gewinnen. Gewinnen konnten wir aber schon den jedes Lobes würdigen Partnerschaftsverein Charkiw-Nürnberg e. V. dafür, sein Konto DE12 7605 0101 0001 3500 58 für unsere Aktion zur Verfügung zu stellen. Jede Spende mit dem Vermerk „Verwundetentransport“ kann man steuerlich geltend machen. Ab 200 € wird dafür automatisch eine Spendenbescheinigung ausgestellt.
Wer sich an unserer Aktion beteiligt, bringt an Weihnachten Hoffnung und Freude in die Ukraine, wer sich anders entscheidet, tut sicherlich andernorts ein gutes Werk, um die Welt leuchten zu lassen. Weihnachten kann also kommen. Aber was sage ich da… Weihnachten ist für uns schon heute bei frühem Morgenlicht angebrochen.
Danke allen und Frohe Weihnachten!