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Was bleibt von der orangenen Revolution?

Veranstattungsreihe: "Runder Tisch Ukraine"

VON BETTINA NÖTH

Jurij Durkot sprach in Nürnberg

Mit einer neuen Veranstaltungsreihe möchte der Partnerschaftsverein Charkiv-Nümberg über die politischen und sozialen Verhältnisse in der Ukraine informieren und Nürnberger Bürger mit der ukrainischen Kultur vertraut machen.


"Die Ukraine ist nach wie vor eine schöne Unbekannte", begrüßte Diether Götz, Vorstand im Partnerschaftsverein Charkiv-Nürnberg, die rund 50 Gäste, die am Montagabend ins Zeitungs-Cafe zum ersten "Runden Tisch Ukraine" gekommen waren. Götz, der selber in den letzten zehn Jahren 35 Mal die Ukraine besuchte, sagte, "die Ukraine als größtes europäisches Flächenland einfach auf die Seite zu schieben oder zu übersehen, kann man sich eigentlich nicht leisten." Er warb für einen Besuch des Landes: "Sie werden von der ukrainischen Gastfreundschaft begeistert sein. Es steht nicht hinter jeder Mülltonne ein Mitarbeiter des Geheimdienstes."
Jedoch sei der Geheimdienst wieder aktiver geworden, sagte Jurij Durkot. Der bekannte Journalist, Publizist und Simultandolmetscher aus Lemberg (Lviv) berichtete über die politische Entwicklung in der Ukraine nach den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr. Zur Lage der Pressefreiheit sagte Durkot: "Es gibt keine direkte Zensur, vor allem die Fernsehsender werden jedoch zunehmend von ihren Besitzern manipuliert. Man versucht, die Freiheit Stück für Stück wegzunehmen." Viele seiner Kollegen seien vom Geheimdienst gewarnt worden, nicht zu kritisch zu schreiben.

 

Auch Juri Durkot selber wurde vom Geheimdienst zu seinen Kontakten in den Westen befragt. "Die Menschen sind enttäuscht", sagte der Journalist über die Stimmung im Land. Nach der orangenen Revolution 2004 hatten die Menschen viele Hoffnungen auf eine Öffnung des Landes zu mehr Demokratie auf die "Orangenen" gesetzt. Doch während der Regierungszeit von Viktor Juschtschenko und Julia Timoschenko gab es keine grundlegenden Reformen, alte Strukturen blieben bestehen.
Nun wurde im Frühjahr der Russland-orientierte Viktor Janukowitsch zum neuen Präsidenten gewählt. "Seitdem gab es gravierende Kursänderungen in der Ukraine", berichtete Jurij Durkot. "Eine Partei kontrolliert das gesamte politische System, die Judikative und die Medien", so der Journalist. "Wir sind heute weniger frei, als das noch vor einem Jahr der Fall war."
Die wirtschaftliche Situation sei angespannt und aufgrund ihrer Abhängigkeit vom Stahlexport extrem abhängig von der Weltkonjunktur. Das Haushaltsdefizit des Staates entspreche "griechischen Verhältnissen", so Durkot. Den im Frühjahr mit Russland abgeschlossenen Flotten-Gasvertrag bewertete der Journalist als "eher kontraproduktiv für die Ukraine." Damit begebe sich die Ukraine in eine noch jahrelang anhaltende Abhängigkeit von Russland.
Die vielen Nachfragen und Diskussionsbeiträge der Besucher zeigten, dass in Nürnberg durchaus Interesse für die Ukraine besteht. "Ich bin sehr zufrieden mit diesem gelungenen Auftakt unserer Veranstaltungsreihe", freute sich Diether Götz.
Der nächste "Runde Tisch Ukraine" findet am Montag, 8. November, um 18.30 Uhr im Zeitungs-Cafe Hermann Kesten in der Stadtbibliothek (Eingang neben der Katharinenruine) statt. Der ukrainische Generalkonsul Jurij Yarmilko wird über die außenpolitische Ausrichtung der Ukraine berichten.

Foto: "Jurij Durkot sprach in Nürnberg"

© "Nürnberg plus", 13 Okt 2010

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