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Hoffnung auf eine Bürgerbewegung

Die aktuelle Situation der Ukraine: Schriftsteller Serhij Zhadan zu Gast in Nürnberg - 02.03.11

NÜRNBERG - Serhij Zhadan (Jahrgang 1974) ist einer der wichtigsten Schriftsteller der Ukraine. In der Nürnberger Stadtbibliothek sprach er über die aktuelle Situation in seiner Heimat.


Serhij Zhadan las und diskutierte in der Stadtbibliothek. Foto: Stefan Hippel

Serhij Zhadan las und diskutierte in der Stadtbibliothek.
Foto: Stefan Hippel

In Nürnberg ist Serhij Zhadan kein Unbekannter. Mehrfach war der Schriftsteller aus der Partnerstadt Charkiw schon hier zu Gast, einmal auch als Hermann-Kesten-Stipendiat. Vor kurzem ist sein Roman „Hymne der demokratischen Jugend“ als Suhrkamp-Taschenbuch erschienen.

Der promovierte Germanist, der fließend deutsch spricht, stellte sich beim „Runden Tisch Ukraine“ als politisch engagierter und literarisch ambitionierter Autor vor. Zuerst las er seinen Essay „Wie viele Ukrainen gibt es?“ über die kulturelle Identität der russisch geprägten Ost-Ukraine, zu der auch Charkiw gehört. Danach trug er sein Poem „Steine“ im Original vor, die deutsche Übersetzung las der Schauspieler Thomas Witte.

Auch zwanzig Jahre nach Auflösung der Sowjetunion ist die Ukraine noch auf der Suche nach einer eigenen Identität. Laut Zhadan zeigt sich das deutlich am Sprachproblem: Offiziell ist Ukrainisch Staatssprache, aber im Osten des Landes wird überwiegend Russisch gesprochen. Die russische Sprache wird aber auch von Europa-Gegnern, die vom Anschluss an Russland träumen, politisch instrumentalisiert.

Erst in letzter Zeit sei ein Wandel zu beobachten, meint Zhadan. Die junge Generation in den Städten verwende beide Sprachen ohne politische Hintergedanken. Besondere Hoffnung setzt Zhadan auf die akademische Jugend – allein in der einstigen Industriemetropole Charkiw gibt es über 200000 Studenten.

Von einer Aufteilung der Ukraine in einen westlichen und einen östlichen Teil hält der junge Autor gar nichts. Wenig Vertrauen hat er in die politischen Parteien seines Landes. Nur eine breite Bürgerbewegung könne die mächtige Oligarchie in der Ukraine überwinden.

In dem korrupten Land gelten Schrifsteller als letzte moralische Instanzen, was auch das enorme Interesse an Literatur erklärt. Zhadan gilt als Star und liest regelmäßig vor mehreren hundert Zuhörern. Ende dieser Woche kehrt er nach einem Jahr in Berlin zurück in seine Heimat. „Ich freue mich. Dort sind meine Leser und meine Themen.“ Im Gepäck hat er seinen neuen Roman „Veroshilovgrad“, der 2012 in deutscher Übersetzung erscheint.

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