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Armutserkrankungen in Charkiv

Nürnberg hilft beim Kampf gegen Tbc

Die nackte Zahl allein, gibt schon zur Besorgnis Anlass. 1,2 Prozent der Bevölkerung der Ukraine ist an Tuberkulose erkrankt, sodass man fast von einer Epidemie sprechen kann. Trotzdem gab es in den letzten fünf Jahren keine Todesfälle mehr. In Nürnbergs Partnerstadt Charkiv kommen auf 100000 Einwohner 96 Tuberkulosefälle, eine Zahl, die seit 1999 unaufhaltsam steigt. Deshalb denkt auch das hiesige Gesundheitsamt an weiterführende Kooperationen in der Zukunft.

"So genannte Armutserkrankungen wie Tbc, Hepatitis B oder auch HIV sind in der Ukraine auf dem Vormarsch. Die Formel ist so einfach wie grausam: "Wer Geld hat, kann sich Medikamente leisten. Wer nicht, der stirbt", so Amtsleiter Fred-Jürgen Beier.

Weiterhin müsse man die Situation in Charkiv genau erörtern, sonst laufe man Gefahr, sich auf Hochglanzprojekte zu kaprizieren. So leistet der Partnerschaftsverein Charkiv-Nürnberg bereits seit 2002 finanzielle Unterstützung, um in der Kinder-Tuberkulosestation Engpässe hinsichtlich von Medikamenten- und Desinfektionsmittelmangel zu mindern.

Als Fachmann wurde Vitalij Mankovskij eingeladen, der verschiedene medizinische Einrichtungen in Nürnberg und Umgebung besuchte und in seiner Rolle als Leiter der städtischen Tuberkulosefürsorge in Charkiv von den Problemen in seinem Heimatland berichtete. So sei es eine große Verbesserung, dass tuberkulosekranke Kinder seit März 2007 in der Gebietskinderklinik für Infektionserkrankungen behandelt werden.

Die Erwachsenentuberkulosestation in der zweitgrößten Stadt der Ukraine hat 130 Betten und wird vom Staat sowie der Stadt Charkiv finanziert. Ein Problem sei es, dass es für Nebenkosten und Reparaturen keinen eigenen Etat gebe. Auch seien andere Gelder zweckgebunden, was bewirke, dass es in der städtischen Tuberkulosefürsorge zum Beispiel kein adäquates Röntgengerät gibt.

Die medizinische Versorgung wird schlechter

Überhaupt werden Armutserkrankungen insgesamt zum großen Problem in der Ukraine. So hätten 30 Prozent aller an Aids Erkrankten auch Tbc und würden häufig auch an dieser Krankheit sterben. Mit der steigenden Arbeitslosigkeit sinkt außerdem die Qualität der medizinischen Betreuung, die zu Sowjetzeiten noch als gut eingestuft wurde.

"Gerade die Armen in der Ukraine gehen zu selten zum Arzt. Ein starker Fatalismus macht sich breit, und die medizinische Situation hat sich drastisch verschlechtert", ist das deprimierende Fazit, welches Mankovskij zog. Im Vergleich mit Tuberkulose sei die Aids-Prophylaxe auf einem guten Weg, an den Schulen gebe es genügend Aufklärung, und jeder habe das Recht auf eine kostenlose Behandlung. Um den Hebel an der richtigen Stelle anzusetzen, wünscht sich Beier eine engere Kooperation mit dem Gesundheitsamt der Partnerstadt.

Thomas Susemihl
Erschienen in der "Nürnberger Zeitung", 25.05.2007

 

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