Große Politik' soll Partnerschaft möglichst nicht trüben

Charkiv sagt Fortsetzung und Erweiterung des Austauschs zu GlühweinseIige Begegnung mit Gasten aus Südtirol

Wie geht es weiter in der Partnerschaft mit Charkiv, wenn in der Ukraine womöglich jede Opposition bloß noch niedergeknüppelt wird": Unabhängig von der dramatischen Zuspitzung der Krise in der Ukraine sagten hochrangige Vertreter der Stadtverwaltung von Charkiv beim Jahrestreffen in Nürnberg nicht nur eine Fortsetzung, Sondern auch eine Erweiterung und Vertiefung mit Beteiligung weiterer Gruppen der Zivilgesell-Schaft zu.

 

In einem Protokoll sind beispielsweise eine Schulpartnerschaft und ein Studenten- und Dozenten Austausch zwischen der Ohm-Hochschule und der Universität Charkiv für Automobil und Straßenbau festgehalten, außerdem Hospitationen von jungen Hotel- und Restaurantfachleuten in Nürnberger Hotels. Dazu kommen Fachgespräche von Energieexperten und Medizinern, Gastspiele von Jazz-Ensembles und I "Thalias Kompagnons" in Charkiv und die Fortsetzung wichtiger humanitärer Projekte. Einen neuen Akzent soll ein Freundschaftsspiel von Frauen-Profikickerinnen aus beiden Städten setzen.

Schließlich werde auch das Schülerprojekt zur Erinnerungskultur und Menschenrechtsbildung in die zweite Runde gehen. Begonnen hatte es im vergangeneu Sommer mit einem Besuch von Jugendlichen des Sigmund-Schuckert Gymnasiums in Charkiv - wo auch viele kritische Fragen zur politischen Lage noch offen diskutiert werden konnten.

Ob das auch nächstes Jahr noch so möglich ist, scheint derzeit ungewiss. Allerdings ist es dem Partnerschaftsverein bereits gelungen, die weitere Finanzierung sicherzustellen.

Bei den Gesprächen mit den Nürnberger Gastgebern waren die eher moskau-orientierten Töne der Gäste indes nicht zu überhören. Andererseits versuchte Oleksandr Novak, der Sekretär des Rates der Stadt Charkiv, die westlichen Befürchtungen etwas zu dämpfen.

In bester Diplomatenmanier verwies er darauf, dass die Ablehnung des Abkommens mit der EU keine endgültige Absage sei. Vielmehr benötige sein Land eine "kleine Pause". Vor einer weiteren Annäherung an Europa wolle man wirtschaftliche Probleme lösen und "soziale Standards erhöhen". Tatsächlich hängt die Ukraine vor allem bei der Gasversorgung buchstäblich am Tropf von Russland. Mit dem Abbau von Schiefergas - durch das umstrittene Fracking -speziell im Bezirk von Charkiv will das Land die fatale Abhängigkeit ver¬ringern und sich stärker selbst versorgen. Dazu sei bereits, so Novak, eine Vereinbarung mit dem Energiekonzern Shell getroffen worden. Davon verspricht man sich große Investitionen.

Die Ereignisse in Kiew wollte Novak nicht kommentieren. Dass die Opposition in den Amtsstuben von Charkiv keine Freunde hat, ist allerdings ein offenes Geheimnis. Seine Versicherung, die in der Verfassung garantierte Versammlungs- und Meinungsfreiheit werde gewahrt, steht derzeit auf ziemlich wackligen Beinen. Anders dagegen die Zusagen zur Partnerschaft - die waren für Charkiv jedenfalls bisher stets mehr als ein Lippenbekenntnis.

© Beilage „Mehr Nürnberg" der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung  vom 11.12.2013