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Bernd Rödl ist tot

Ein großer Verlust für die Region
Von Josef Hofmann
 
Er war ein Macher, ein visionärer Vollblutunternehmer und weltweit ein Imageträger für die Region: In der Nacht zum Montag ist der Gründer und Seniorpartner der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner, Bernd Rödl, im Alter von 72 Jahren überraschend gestorben.

NÜRNBERG— „Ich kann mir keinen Beruf vorstellen, der für mich schöner, besser und erfüllender gewesen wäre." Das sagte Bernd Rödl anlässlich seines 70. Geburtstages vor zwei Jahren im Gespräch mit der Nürnberger Zeitung. Ohne diese Begeisterung für das, was er geleistet hat, wäre der Erfolg auch nicht möglich gewesen. Innerhalb von knapp vier Jahrzehnten machte er aus einer 1977 im Keller seines Hauses in Großgründlach gegründeten Ein-Mann-Firma ein Unternehmen mit 4000 Mitarbeitern und 102 eigenen Niederlassungen in 46 Ländern der Welt. Keine Anstrengung war Rödl auf diesem Weg zu groß: Noch am vergangenen Mittwoch nahm er „mit großem Engagement" an einer Aufsichtsratssitzung teil, gab das Unternehmen, das seit 2011 von seinem Sohn Christian geführt wird, gestern bekannt.
„Authentizität ist wichtig. Genau das habe ich versucht zu leben", antwortete Rödl vor zwei Jahren auf die Frage nach seiner Lebensphilosophie. Dieses Leben ging nun zu Ende. Bernd Rödl erlag einem Krebsleiden, gegen das er sich bis zum Schluss mit aller Kraft gestemmt hatte. „Wie kein Zweiter bewies er eine fast übermenschliche Stärke in Situationen, in denen andere längst resigniert hätten", hieß es gestern. „Das ist ein unersetzlicher Verlust für unsere gesamte Familie, für Rödl & Partner und die bayerische Unternehmerschaft", erklärte sein Sohn Christian. „Die Stadt verliert mit Bernd Rödl einen außergewöhnlichen Menschen und innovativen Vordenker", sagte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly.

Weitsicht und Ehrgeiz
machten ihn erfolgreich

Das Unternehmertum war dem promovierten Juristen Bernd Rödl nicht in die Wiege gelegt. Er stammt aus einem Beamtenhaushalt und hätte, wie er einmal sagte, auch Richter werden oder eine universitäre Laufbahn einschlagen können. Doch Mitte der 70er Jahre erkannte Rödl eine Marktlücke. Viele Rechtsanwälte, so stellte er fest, kennen sich nicht gut im Steuerrecht aus, Steuerberater beschäftigen sich nicht tief genug mit der juristischen Seite. Der damals 34-Jährige entschloss sich, diese Lücke zu füllen.
1943 in Karlsbad geboren und in Hof aufgewachsen, gehörte Rödl zu den ersten Rechtsanwälten in Bayern, die sich als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer qualifizierten. Diese Kombination ist noch heute eine Triebfeder des Firmenerfolgs. Eine Voraussetzung dafür war auch Rödls Ehrgeiz, gepaart mit etwas Eitelkeit, wie er selbst einräumte. Schon sehr früh war es sein Traum, „größte Kanzlei in Nürnberg zu werden, danach die größte in Nordbayern, dann die größte in Bayern", erzählte er gerne. Und irgendwann war Rödl & Partner „die größte multidisziplinäre Kanzlei der Welt, die Recht, Wirtschaft und Steuerprüfung verbindet und deutschen Ursprungs ist", gab der Vater von sechs Kindern zu seinem 70. stolz zu Protokoll.
Ein Baustein des Rödl-Erfolgsrezepts war, Chancen schnell zu erkennen: Als erste westdeutsche Kanzlei eröffnete er noch vor der Wiedervereinigung einen Standort in Sachsen. 1989 wurde die erste Auslandskanzlei in Prag eröffnet, es folgten Warschau und Budapest. 1994 ging Rödl nach China. Mittlerweile ist die Kanzlei auch in Ländern wie Indien, Vietnam, Thailand und selbst im hart umkämpften US-Markt erfolgreich.
Trotz der Internationalität blieb er in der Region tief verwurzelt: Unter anderem war er IHK-Vizepräsident, den Businessplan Wettbewerb hat er vom Start weg begleitet und Start-up-Unternehmen gefördert. Auch als Aufsichtsrat und Beirat war Rödl gefragt. Sein großes soziales und kulturelles Engagement kam dem Partnerschaftsverein Charkiw-Nürnberg, aber auch vielen anderen Einrichtungen zugute. Für sein Engagement wurde er vielfach geehrt – unter anderem mit der Bayerischen Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft und dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

NZ/HA/WIRT/WIRT1  HA - Mi 11.11.2015 - Wirtschaft     
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