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Jahresbilanz: Hilfsprojekte des Partnerschaftsvereins lindern Not in Nürnbergs ukrainischer Partnerstadt Charkiv

Nürnberger Haus in Charkiv bietet attraktive Chancen für die Jugend
Sozialprojekte lindern die Not von Kindern, Kranken und Rentnern


Nürnberg, 7. Dezember 2009: Trotz des langsamen wirtschaftlichen Aufschwungs in wenigen Bereichen leiden insbesondere Kinder, Kranke und Rentner in der Ukraine unter großer Not. Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen verschlimmert sich die Situation der Bedürftigen zunehmend. Das Land wurde von der weltweiten Finanzkrise mit voller Wucht getroffen. Die Industrieproduktion ging im ersten Halbjahr des Jahres um 30 Prozent zurück. Die Inflation beträgt immer noch 15 Prozent, der Durchschnittslohn liegt bei 182,- Euro und die monatliche Mindestrente bei lediglich 45,- Euro (558 Hrywna). Gehälter werden in staatlichen Betrieben und Einrichtungen monatelang nicht ausgezahlt, viele Arbeiter werden entlassen oder zur "freiwilligen" Kündigung genötigt. Zu Beginn des nächsten Jahres ist damit zu rechnen, dass die Gaspreise für private Haushalte erneut steigen werden.

Die Sozialprojekte des Partnerschaftsvereins Charkiv-Nürnberg, einer privaten Initiative der Nürnberger Bürger für ihre Partnerstadt in der Ukraine, sind vor diesem Hintergrund für viele Menschen von größter Bedeutung. Die vom Verein finanzierte Armenküche und die Unterstützung für bedürftige Kranke, Alte und Kinder werden dringend gebraucht. "Von der schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Situation sind insbesondere Rentner, mittellose Familien und Kinder betroffen. Sie brauchen die Unterstützung der Bürger aus der Partnerstadt Nürnberg", erklärt Dr. Bernd Rödl, Vorstand des Partnerschaftsvereins. "Ein tägliches warmes Essen und eine medizinische Grundversorgung sind für viele Menschen in der Ukraine inoch immer nicht selbstverständlich."

Die schwierige Lage bedeutet für Rentner, dass sie ein tägliches Essen, Warmwasser und Heizung kaum finanzieren können. Die Erträge des Gemüsegartens sowie das Netzwerk von Angehörigen sind überlebenswichtig. Die Not von Kindern und Kranken wird öffentlich kaum wahrgenommen. So werden beispielsweise dringend benötigte Ambulanzen und Tuberkulosestationen geschlossen, um Geld zu sparen.

Die Überreaktion auf die auch in der Ukraine grassierende Schweinegrippe ist nur ein Ausdruck der Verunsicherung und Not eines Großteils der ukrainischen Bevölkerung. Die Zahl der Erkrankungen ist so hoch, dass vom 2. bis 22. November 2009 eine landesweite Quarantäne verhängt wurde. Impfstoffe und Medizin standen allerdings für viele Bürger nicht zur Verfügung.

Deshalb setzt der Partnerschaftsverein auch in diesem Jahr auf die Bereitschaft der Nürnberger Bürger, den Menschen in Charkiv zu helfen, und ruft zu Spenden für die Sozialprojekte auf. "In der Ukraine kann mit sehr wenig Geld sehr viel erreicht werden" erklärt die 2. Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Antje Rempe.

Der Partnerschaftsverein setzt neben den Sozialprojekten auf positive Impulse für die Zukunft und fördert junge Menschen: "Interkulturelle Verständigung, die Begegnung junger Menschen aus Charkiv und Nürnberg, die Stärkung der Zivilgesellschaft und ein gemeinsames Eintreten für den Umweltschutz liegen uns sehr am Herzen", so Rempe. "Das vom Partnerschaftsverein aufgebaute Nürnberger Haus spielt dabei als deutsch-ukrainisches Kulturzentrum eine Schlüsselrolle."

Die Bilanz des Partnerschaftsvereins in diesem Jahr kann sich sehen lassen:

  • Mit monatlich 1.800,- Euro verpflegte die Armenküche im Kominternovskij Rayon regelmäßig 5 Mal die Woche 130 Personen mit einem warmen Essen. Die Einrichtung wird regelmäßig kontrolliert. Die Not der armen und alten Menschen, die in die Armenküche kommen, ist besonders groß. Sie fühlen sich dort wohl und finden über das Essen hinaus auch eine soziale Ansprache.
  • Das Kinderförderzentrum des Sozialen Hilfsdienstes hilft 140 Kindern aus bedürftigen Familien. Diese Kinder können dort regelmäßig etwas lernen und Freude an eigener Kreativität und Leistung entwickeln. Das Programm umfasst Mal- und PC-Kurse, Schreinern, Kochen und Basteln, aber auch Theater, Tanzen und Englischunterricht. Die Einrichtung wurde mit 7.000,- Euro unterstützt.
  • Die Sternstunden e.V. des Bayerischen Rundfunks haben es uns auch 2009 ermöglicht, die städtische Kinderambulanz für Tuberkulose in Charkiv funktionsfähig zu erhalten. 6.130,- Euro wurden für Medikamente, Desinfektionsmittel und Untersuchungsinstrumente ausgegeben. Die Berufsschule B8 sammelte in diesem Jahr einen Betrag von 2 535,- Euro für die Kindertuberkuloseabteilung der Gebietsklinik für Infektionskrankheiten. Damit können vor allem bakterizide Lampen finanziert werden.
  • Die ökumenische Sozialstation in Charkiv wurde mit 4.860,- Euro unterstützt. Sie hilft hoffnungslos Kranken und begleitet sie im Sterben. Unser Beitrag wurde für Miete, Kommunalabgaben, Mobicards, Telefon und einen Gehaltszuschuss für die Sozialarbeiterinnen verwendet. Letztere erhielten bis April nur den Mindestlohn von monatlich ca. 60,- Euro; nun bekommen sie monatlich 10.- Euro mehr.
  • Das Nürnberger Haus hat im Oktober als erstes Sprachlernzentrum in der Ukraine mit Erfolg einen vom Goethe-Institut durchgeführten Akkreditierungsprozess durchlaufen. Wichtig ist uns aber vor allem, dass die Menschen in Charkiv gerne das Nürnberger Haus besuchen. Die Sprachkurse sind wieder überfüllt, die Seminare und Kulturveranstaltungen überaus beliebt. Gemeinsam mit dem Partnerschaftsverein wirkte das Nürnberger Haus erfolgreich am Nürnberger Festival "Grenzenlos" im August mit. Mit Förderung der deutschen Botschaft veranstaltete es auch das Eröffnungskonzert des Festivals "Assambleen" in Charkiv. In den nächsten Monaten werden zur Freude der Charkiver noch ein Liederabend zur deutschen Romantik, ein Jazzkonzert sowie die Lesung "Tatort Deutschland" stattfinden.
  • Der Partnerschaftsverein gestaltete 2009 zusammen mit dem Nürnberger Haus ein Umweltseminar, verbunden mit einer deutsch-ukrainischen Jugendbegegnung. 6 junge Deutsche und 12 junge Ukrainer/innen kamen zusammen, um sich mit Umweltschutz und nachhaltigem Wirtschaften auseinanderzusetzen. Kooperationspartner waren der Bund Naturschutz sowie die Städte Charkiv und Nürnberg. Die Teilnehmer erhielten eine Fülle von Informationen, wurden jedoch auch selbst aktiv. Sie entwickelten und verteilten einen Flyer, führten eine Umfrage zum Trinkwasser durch und gestalteten eine Fotoausstellung. Im nächsten Jahr soll eine weitere Begegnung in Nürnberg folgen.
  • Im August nahm der Partnerschaftsverein am Grenzenlos-Fest der Stadt Nürnberg im Tucherschloss aktiv teil, das dieses Jahr Charkiv gewidmet war. Der Verein hatte einen eigenen Stand, der von vielen Besuchern umlagert war; die Vorstandsmitglieder Antje Rempe und Ella Schindler berichteten im Erzählcaf? über "das Abenteuer Charkiv in fast 20 Jahren Partnerschaft", und Antje Rempe moderierte eine Lesung ukrainischer Literatur mit Lea Schmocker und Juri Kravets am Bajan.

Obwohl im Januar Präsidentschaftswahlen anstehen, ist politisch keine Kraft oder Person in Sicht, die einen klaren Blick auf die Probleme, längerfristiges und sachorientiertes Handeln und größere Stabilität versprechen würde. Unsere Arbeit wird in Charkiv nach wie vor dringend gebraucht und kommt bei den besonders Hilfsbedürftigen an. Deshalb bittet der Vorsitzende Dr. Bernd Rödl die Nürnberger Bürger, sich auch in diesem Jahr mit Spenden für die Menschen in Charkiv zu engagieren. "Wir helfen einerseits den Schwächsten und bieten andererseits über das Nürnberger Haus Zugang zu Information, Verständigung und neuen Perspektiven. Deshalb haben wir den Mut und die Zuversicht, die Nürnberger Bürger und Unternehmen wieder um Spenden zu bitten."

Ausblick:

Im nächsten Jahr ist zwanzigjähriges Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Charkiv und Nürnberg. Aus diesem Anlass plant der Partnerschaftsverein neben seinem kontinuierlichen sozialen Engagement in Charkiv folgende Aktivitäten:

  • Deutsch-ukrainische Jugendbegegnung in Nürnberg im Juni 2010 in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz zum Thema: Aktiv werden für die Umwelt in Europa
  • Bürgerreise nach Charkiv im September 2010 zu 20 Jahre Partnerschaft in Zusammenarbeit mit dem Amt für Internationale Beziehungen
  • Teilnahme an den Feierlichkeiten in Nürnberg zu 20 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Charkiv und Nürnberg
  • Mitgestaltung einer Informations- und Festbroschüre zur Städtepartnerschaft

Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Da alle Vereinsmitglieder ehrenamtlich tätig sind, kommen die Spenden direkt den Menschen in Charkiv zu Gute.

 

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