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Deutsch-ukrainische Umweltkonferenz in Charkiv - 08.07. 16:33 Uhr

Nürnberg - Die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe standen im Fokus einer deutsch-ukrainischen Umweltkonferenz, die im Juni in Nürnbergs Partnerstadt Charkiv stattfand. Initiiert wurde die mehrtägige Veranstaltung vom Partnerschaftsverein Charkiv-Nürnberg, in Kooperation mit der Stadt und dem Bund Naturschutz.

Vor 25 Jahren ereignete sich das Reaktorunglück von Tschernobyl. Ihre offizielle Linie änderte die ehemalige Sowjet-Republik Ukraine trotzdem nicht.

Man setzt nach wie vor und ohne Wenn und Aber auf Kernenergie. Bis 2030, so die Planung, will man 22 neue Kernkraftwerke bauen. Doch Bangemachen gilt nicht, sagt sich Peter Pluschke. Der Umweltreferent der Stadt stand an der Spitze der Nürnberger Delegation und kehrt die positiven Aspekte der Umweltkonferenz heraus. „Dass eine solche regimekritische Diskussion überhaupt zustande kam, ist schon ein Fortschritt.“

Rund 600000 Liquidatoren aus Charkiv waren einst in Tschernobyl vor Ort. Als Liquidatoren bezeichnet man jene Menschen, die die radioaktive Strahlung liquidieren sollten. Einen entsprechenden Lohn gab es bisher nicht. Darum kämpft man noch heute. Wie auch um die kostenfreie Behandlung von Folgeschäden. „Bei den Menschen, die dabei waren, hat Tschernobyl tiefe Spuren hinterlassen“, unterstreicht Pluschke. Solar- oder Windkraft, in der Ukraine sind dies böhmische Dörfer.

Deshalb referierte der Grünen-Politiker auch über Erneuerbare Energien und brachte Beispiele vom Umweltschutz in Nürnberg. Pluschke plant in naher Zukunft eine Klimaschutz/Energie-Konferenz in der Noris. Hierbei sollen auch alle Partnerstädte miteinbezogen werden. Der Delegation gehörte auch André Winkel an, der Geschäftsführer des Bund Naturschutz Nürnberg. Eine solche Konferenz sei ideal dafür, ein Stück weit über den eigenen Tellerrand zu schauen.

2012 wird die Fußball-Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine abgehalten. Das Groß-Event wirft längst seine Schatten. So kam es im Zuge von städtebaulichen Veränderungen zur umstrittenen Abholzung des Charkiver Lesoparks zugunsten einer Straße. Die massiven Demonstrationen von Seiten der Charkiver Bürgern wurden letztendlich von Milizen niedergeschlagen. „Die Straße benutzt nahezu niemand. Die Stadtspitze setzt ganz und gar auf gärtnerisch gepflegte Plätze. Unsere Partnerstadt soll bei der EM schlicht und ergreifend gut aussehen“, erläutert Winkel. Bei den Straßenbauarbeiten im Lesopark stieß man zu allem Überfluss auf Gräber deutscher Soldaten. Dieser Umstand sollte vertuscht werden, wurde jedoch dennoch publik.

Als sehr erfreulich stuft Winkel die Zusammenarbeit mit der lokalen Bürgerinitiative „Grüne Front“ ein, die auf Eigeninitiative einen Baumkataster erstellen will. Bereits im April hospitierte ein Vertreter der Umwelt-NGO „Petchenegi“ Oleksij Vedmitzkij bei SÖR in Nürnberg.

Neben Umweltfragen ging es auch um den Austausch zwischen der deutschen und der ukrainischen Jugend. Die deutschen Teilnehmer konnten ein Stück weit in den ukrainischen Alltag eintauchen, da sie in Gastfamilien vor Ort lebten. Federführend hierbei war Viola Ibba, die zur Zeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Bund Naturschutz leistet. „In der Ukraine herrschen ganz andere Grundlagen. Zwischen den beiden Ländern bestehen himmelweite Unterschiede“, zieht Ibba als Fazit.

© Nürnberger Zeitung

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