Knüppel gegen Umweltschützer

Ausstellung dokumentiert Kampf der „Grünen Front" in Charkiv

Umweltschützer haben in der Ukraine nichts zu lachen. Und das ist noch ziemlich untertrieben: Sie müssen mit Überwachung, Schikanen, Repressionen und sogar gewalttätigen Übergriffen durch Staatsorgane rechnen, aucb in Nürnbergs Partnerstadt Charkiv. Wie sich dort mutige Bürger dennoch nicht einschüchtern lassen und welche Eingriffe und Umweltsünden sie anprangern und zu verhindern versuchen, zeigt eine Ausstellung, die heute um 19 Uhr im Gemeinschaftshaus Langwasser eröffnet wird.

Entstanden ist die Schau in Zusammenarbeit zwischen der Stadt, dem Partnerschaftsverein Nürnberg-Charkiv, dem Bund Naturschutz und der Grünen Front in Charkiv. Dessen stellvertretender Vorsitzender, Oleg Peregon, kommt zur Präsentation ebenso wie die Fotografen Illya Zhekalov und Juri Voroschilov. Unter dem Titel „Von Bäumen und Bürgerrechten" sind die Dokumentationsaufnahmen bis 7. November im Kleinen Saal zu sehen, die Künstlerfotos im Lichthof über die ökologischen Veränderungen bis 30. November (montags bis mitt¬wochs 12 bis 14 Uhr, donnerstags 12 bis 17 und 19 bis 21 Uhr; Eintritt frei).

Einer der Skandale, der Bau einer von den Umweltschützern als überflüssig und überdimensional kritisierten Straße quer durch den Gorkipark, eine der größten Grünzonen von Charkiv, war vor zwei Jahren auch in westlichen Ländern bekanntgeworden.

Die Empörung war wohl weit verbreitet, aber nur wenige wagten es auf¬zubegehren: Als Gegner die bedrohten Bäume umarmten, weil für die Rodungsarbeiten jede offizielle Genehmigung fehlte, waren sie von Milizeinheiten rabiat niedergeknüppelt und zum Teil festgenommen worden. Berichte darüber wurden auch in Partnerschaftskreisen mit Besorgnis und Empörung aufgenommen.

Nach offiziellen Angaben fielen insgesamt 500 zum Teil alte Bäume dem Prestigeprojekt zum Opfer; nach Erhebungen der Grünen Front dürften es indes eher 2000 gewesen sein. Dass gleich nebenan scheibchenweise für den Bau von Luxushäusern weiter abgeholzt wird, fand schon kaum mehr Beachtung. Ganz erfolglos waren die Protestbewegungen dennoch nicht: Zumindest als oberflächliches Zugeständnis soll nun ein Baumkataster erstellt werden.

Für akut gefährdet halten Grüne-Front-Mitglieder auch einen Nationalpark 50 Kilometer nördlich von Charkiv. Er soll in seiner Bedeutung dem im Bayerischen Wald vergleichbar sein. Zum aktiven Kern der Grünen Front in der Millionenstadt Charkiv sollen etwa 100 Mitglieder gehören, f über die neuen Medien erreichen sie bis zu 3000 Sympathisanten. woh

23.10.2012
Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung "Mahr Nürnberg"