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Kahlschlag in Charkiv

Bürgerprotest erfolglos - Umwelttreffen in Nürnberg



Beim Rundgang durch den Südpunkt lassen sich die Teilnehmer des deutsch-ukrainischen Umweltseminars auch über das Angebot der Stadtteilbibliothek informieren. Foto: Stefan Hippel

Bei einem gemeinsamen Seminar unter dem Titel "Aktiv werden für die Umwelt in Europa" verbringen zehn engagierte Mitglieder von Öko-Gruppen aus Charkiv eine Woche mit jungen Leuten aus Nürnberg und Umgebung. Ein Teil der 18- bis 25-Jährigen hatte bereits an der ersten Umweltbegegnung vor einem Jahr in der ukrainischen Partnerstadt teilgenommen. Nach dem eher touristisch geprägten Einstieg begann das gemeinsame Programm gestern mit einem Treffen beim Bund Naturschutz und einer Erkundung des Kulturzentrums "Südpunkt", Europas bisher größtem Passivhaus.



Dabei bringen die Gäste eine deprimierende Erfahrung mit: Gerade erst ließen ihre Stadtväter im 130 Hektar großen Gorki-Park, der grünen Lunge der Stadt, gegen den Widerstand von einigen Hundert Bürgern rund 500 Bäume fällen. Ein Teil des Parks soll neuen Hotels, Vergnügungszentren und Wohnungen weichen. Das hatte zwar der Stadtrat beschlossen - die auch nach ukrainischen Gesetzen vorgesehenen Anhörungen und Gutachten blieben allerdings aus.

Die Proteste löste wohl nicht zuletzt der Verdacht aus, dass das zentrumsnahe Bauland nicht nur beachtliche Summen in die leeren Stadtkassen spült, sondern auch hübsche Sümmchen in private Taschen. Um die Aktivisten zu vertreiben, schreckten die Machthaber - nach einem Bericht der Heinrich-Böll-Stiftung - offenbar nicht einmal vor Rollkommandos zurück: Die Schlägertrupps prügelten auf die Abholzungsgegner ein, die Miliz sah zu. Und obwohl der Kahlschlag erst nachträglich in aller Eile legalisiert wurde, verurteilte ein Gericht einige vorübergehend verhaftete Bürger auch noch wegen Landfriedensbruchs zu Geldstrafen. Angesichts des drastischen Beispiels von Rechtsbeugung ruft die Heinrich-Böll-Stiftung zur Unterstützung der Zivilgesellschaft in der Ukraine auf. Nürnberg kann am Wochenende seinen Beitrag leisten, wenn zum 20. Partnerschaftsjubiläum eine offizielle Delegation aus Charkiv erwartet wird.
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Ziemlich ins Wasser gefallen sind die beiden Kunst- und Bürgerfeste, die den zuletzt weitgehend versiegten Austausch mit Prag neu ankurbeln sollten. Unter Kälte und Dauerregen hatte schon der erste Teil, eine Präsentation von Prager Künstlern und Prager Spezialitäten im Burggraben im Mai, gelitten. Jetzt sollte sich Nürnberg umgekehrt in Prag präsentieren; in Aussicht gestellt war zunächst ein größerer Platz in prominenter Lage.

Als sich das zerschlug, zog der Nürnberger Wirt Karl Krestel seine Beteiligung zurück. Rettungsversuche mit den übrigen Partnern führten - nicht zuletzt angesichts der wiederum trüben Wetteraussichten - nun zu einer Absage. "Wir halten aber an dem Projekt fest und suchen jetzt einen neuen Termin", beteuert Norbert Schürgers, Leiter des Amtes für Internationale Beziehungen. Über einen umjubelten Auftritt in Prag durften sich zu Pfingsten allerdings die Nürnberger Symphoniker freuen.
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Kurzfristig noch anmelden können sich Jugendliche zu einem Wochenende mit Ronny, Marvely, Mariela, Alvaro, Arelhys und Carlos aus der kleinen Partnerstadt San Carlos in Nicaragua. Bei der Freizeit vom 25. bis 27. Juni auf Burg Hoheneck stehen Spiel und Spaß und das Kennenlernen mit Fragen zu Alltag, Familie und Kultur im Vordergrund. Die Teilnehmer sollten sich auf Spanisch verständigen können. Für Kost und Logis fallen 25 Euro an, dazu kommen Kosten für die Bahnfahrt. Anmeldung unter Telefon (09 11) 2 31-50 43. woh
22.6.2010
©NÜRNBERGER NACHRICHTEN

 

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