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Eine Armenküche gerettet

Fritz Körber, Schwaigs früherer Bürgermeister, engagiert sich weiter für Charkiv

"Etwas tun, was Sinn macht": Unter diesem Motto engagiert sich Fritz Körber, der ehemalige Bürgermeister von Schwaig, seit Jahren für die Menschen in Nürnbergs Partnerstadt Charkiv. Nach vielen Hilfskonvois hat er im vergangenen Jahr eine Armenküche initiiert.

Es sind wirklich zwei Welten: Das kleine Haus in Behringersdorf mit dem gepflegten, saftgrünen Rasen und dem netten Wintergarten, in dem der ehemalige Schwaiger Bürgermeister Fritz Körber seine Besucher empfängt - und die Welt der Bilder, die er dabei auf den Tisch legt: Fotos von unvorstellbarer Tristheit. Schimmelige Räume mit rostigen Rohren ("das Badezimmer eines Krankenhauses in Charkiv"), verkrüppelte Kinder ("Tschernobyl") auf Betten mit fiesen Eisenrosten. Aber auch andere Fotos, wo Körber inmitten einer dankbaren Menge steht: Neben einem Apotheker, dessen Beinprothesen er finanzieren half; oder mit einer blinden Mutter und ihrem Sohn, der heute wohl tot wäre, hätte "Fritz", wie seine Freunde aus Charkiv sagen, nicht für eine Operation in Deutschland gesorgt.

Seit 15 Jahren engagiert sich Körber in der ukrainischen Millionenstadt: "Begonnen hat es Weihnachten 1991", erinnert er sich. "Damals suchten ein paar Händler vom Markt der Partnerstädte am Christkindlesmarkt kurzfristig eine Unterkunft. Da habe ich mich an meine Mutter erinnert, die immer sagte: An Weihnachten soll man keinen abweisen und ein Matratzenlager bei mir zu Hause eingerichtet. Da habe ich das erste Mal von der ungeheuren Armut und den dramatischen Umständen dort erfahren. Das war der Ausgangspunkt für alles weitere."

Inzwischen füllt sein Engagement elf dicke Ordner. Jeden Monat kommen mindestens zehn Briefe aus der Ukraine, teils auf Russisch, teils in rührendem versuchten Deutsch. Die Hälfte sind Dankesbriefe, in denen Körber vielfach Gottes Segen gewünscht wird; die andere Hälfte sind Bitten: Ein Kind ohne Niere, ein Mädchen das aussieht wie eine Filmschauspielerin, aber schreibt "Ich will mit 31 nicht sterben."

"Es ist unmöglich, allen zu helfen und die Auswahl fällt immer sehr, sehr schwer", meint Körber. "Alles was wir tun können, ist ein Licht der Hoffnung ins Fenster zu stellen." Und dies tut er nun seit vielen Jahren wiederholt mit Hilfskonvois, die mühevoll zusammengesammelte Dinge gen Osten fahren.

Fast pausenlos im Einsatz

"Am Anfang waren es noch Kleidung und Spielzeug. Heute sind es vor allem ganz praktische, schwer zu bekommende Dinge, wie Krankenhausbetten oder Rollstühle." Dafür ist Körber fast pausenlos im Einsatz: Wird irgendwo ein Hospital aufgelöst oder renoviert, ist er bald am Telefon und fragt nach übrigen Gegenständen: "Dabei schadet es nicht, dass ich Bürgermeister gewesen bin!"

Unterstützung bei seinem menschlichen Engagement fand Körber unter anderen bei den Naturfreunden Lauf, der Berufsfeuerwehr Nürnberg und der Arbeiterwohlfahrt in Schwaig und Behringersdorf. Aber auch ganz andere Unterstützung bekam er: "Schüler der Wilhelm-Löhe-Schule machten eine Laufaktion, bei der fantastische 17500 Euro zusammenkamen." Körber selbst wünschte sich zu seinem 60. Geburtstag nur eines: Spenden für Charkiv.

Es war ein anonymer Spender aus Rückersdorf, der mit einer großzügigen Summe den jüngsten Coup finanziert hat: Die Übernahme der von der Schließung bedrohten Armenküche in Charkiv, in der täglich über 150 Essen an alte und bedürftige Menschen ausgegeben werden.

Auf den Fotos sieht man die Besucher der Armenküche mit Körber - und man kann beinahe die begeisterten Begrüßungsrufe hören: "Fritz! Fritz! Fritz!" In der Tat: Wenn Körber von Charkiv erzählt, ist er ganz bei sich. Zwei Stunden redet er. Und der Orangensaft, den seine Frau eingeschenkt hat, bleibt unangetastet: "Es braucht schon immer ein paar Wochen, bis man darüber hinwegkommt, wenn man drüben war", erinnert er sich. "Dort gibt es echte Armut. Das hat mit dem was wir uns unter Armut vorstellen, nichts zu tun. Es fehlt die Mittelschicht: Es gibt dort die ganz Reichen mit den dicken Autos und unvorstellbar Arme."

Selbst Körbers 15-jähriger Enkel Fabian, der letztes Jahr mit nach Charkiv fuhr, bemerkte: "Die Menschen sind bettelarm - aber trotzdem dankbar und fröhlich. Und bei uns meckern alle, weil sie glauben, sie kriegen zu wenig."

Spedition gesucht

Momentan sucht Fritz Körber noch nach Krankenhausbetten und nach einer netten Spedition, die Lkw für den Transport zur Verfügung stellt. Dann fährt Körber wieder los. Wie lange das noch so geht? "Man wird da natürlich auch müde, weil es belastet", meint Körber. "Aber auf der anderen Seite ist diese Dankbarkeit. Und dann weiß ich: Das ist richtig Leben. Das hat alles einen Sinn!"

Weitere Informationen: Spenden kann man unter dem Stichwort: "Hilfe für Charkiv" auf das Konto der Awo Behringersdorf-Schwaig. Konto-Nummer: 240 251 785 bei der Sparkasse Nürnberg, BLZ 760 501 01.

Peter Romir
Erschienen in "Nürnberger Nachrichten", 22.08.2007

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