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Charkiw: Bürger zwischen Politikmüdigkeit und Debatten - Tuberkulose-Station zog um

Großer Jubel in Polen und der Ukraine: Beide Länder sind im Jahr 2012 Gastgeber für die Fußball-Europameisterschaft (wir berichteten). Die beiden Nürnberger Partnerstädte Krakau und Charkiw gehören allerdings - nach den bisherigen Informationen - nicht zum Kreis der jeweils vier Austragungsorte in den beiden Ländern.

Dabei hätte Charkiw den Anstoß zur Verbesserung vor allem der Verkehrsinfrastruktur bitter nötig: Viele Straßen sind kaum mehr als Schlaglochpisten, und das Gleisnetz der Straßenbahn ist in noch erbärmlicherem Zustand. Zugleich aber wächst der Fahrzeugbestand - so werden die täglichen Staus länger und lästiger. Kein Wunder, dass es die amtierende Stadtspitze unter anderem mit dem Versprechen an die Macht geschafft hatte, das Straßennetz zu erneuern.


So wachsen die Verdrossenheit über die Kaste der Politiker und das Misstrauen. Allerdings ist Antje Rempe vom Partnerschaftsverein Nürnberg-Charkiw mit widersprüchlichen Eindrücken vom jüngsten Besuch in der Ukraine zurückgekehrt. "Einerseits haben die Leute die Nase voll von der Politik, andererseits habe ich die Menschen noch nie so viel über Politik diskutieren hören", berichtet sie. Tägliche Demonstrationszüge wie in Kiew gebe es in Charkiw allerdings nicht. Offenkundig ist unterdessen, dass die Massenkundgebungen in der Hauptstadt mit erheblichem "Tourismus" verbunden sind.

In Zügen und Linienbussen seien oft kaum Plätze zu bekommen. Eine Zeitung hat aufgedeckt und mit Fotos belegt, dass es Menschen gibt, die mal für die eine, mal für die andere Seite auf die Straße gehen - und sich so offenbar ihren Unterhalt verdienen. Unabhängige Organe dieser Art sind allerdings selten. Gerade in Charkiww stehen etliche Blätter direkt in Abhängigkeit und im Dienst bestimmter Parteien oder Oligarchen - die Propaganda für die "Blau-Weißen" überwiegt. Sie wollen sich, wie sie sagen, "von Russland nicht entfremden lassen". Zum bloßen Anhängsel des Putin-Regimes möchten sich aber zumindest wohl die neuen Industrie- und Finanzmagnaten nicht degradieren lassen.
Eine erfreuliche Nachricht hat Rempe aus Charkiw auch mitgebracht: Die Kindertuberkulose-Station, für die viele Nürnberger bereits gespendet haben, wurde verlegt und ist, dank eines neuen Partners, nun viel besser untergebracht. Das Team hat den Wechsel mitvollzogen; Unterstützung durch Medikamente und desinfizierte Präparate wird aber auch künftig benötigt.

Wolfgang Heilig-Achneck
Erschienen in "Nürnberger Nachrichten", 3.05.2007
Und sich um zwei weitere Probleme zu kümmern, die im Alltag vielen Bürgern sauer aufstoßen: Die Müllabfuhr funktioniert oft ebenso wenig wie die Aufzüge in den Plattenbaublöcken. Doch geschehen ist bisher, wieder einmal, nichts. Und wenn, wie am Karfreitag im "Nürnberger Haus", ein Wasserrohrbruch den Keller überschwemmt, lässt der Instandhaltungsdienst auf sich warten. Der Gebäudeunterhalt für die vielen kommunalen Immobilien wurde zwar privatisiert - ist aber seither noch schlechter geworden. Gleichzeitig stiegen die Gebühren für die Wasserversorgung und andere Leistungen um das Zwei- bis Dreifache.

 

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