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Tschernobyl: Wir waren die Helden

Tschernobyl: Wir waren die Helden
Feuerwehrler aus Charkiv zu Besuch in der Partnerstadt

Wasser ist das Element, mit dem sie arbeiten. Der Schöne Brunnen, der den Feuerwehrlern aus Charkiv als Kulisse für ein Foto dient, spendet allerdings erst wieder um den 1. Mai das kühle Nass. Die dreiköpfige Delegation aus der ukrainischen Partnerstadt besucht sechs Tage lang die Frankenmetropole.

Scharf riecht der Tabak der glühenden Zigarette von Feuerwehrmann Yuriy Senchykhin. Zusammen mit Volodymyr Kovregin und Lilia Molodyka besucht er verschiedene Feuerwehren in Nürnberg und in der Region. "Wir wollen uns die Arbeitsabläufe dort ansehen und die Eindrücke mit nach Hause nehmen", so der 44-Jährige.


Dass Kollege Senchykhin, der Leiter der Fakultät der Bergungs- und Rettungskräfte, hier vor dem Brunnen in Uniform steht, ist eigentlich nicht so selbstverständlich. War er doch Angehöriger der Rettungskräfte, die in der nuklearen Hölle des vor bald 21 Jahren havarierten Atomreaktors in Tschernobyl ihren Einsatz leisteten. Viele seiner Kameraden starben an den Folgen der Katastrophe. An ihm ging der Einsatz auch nicht spurlos vorüber: Er leidet heute noch an Ohnmachtsanfällen und erhöhtem Blutdruck. Pro Jahr muss er zwei Mal ins Krankenhaus, um sich untersuchen zu lassen.

"Keine Minute bereut"

"Ich habe zwangsweise Erfahrungen mit einer derartigen Katastrophen gemacht", sagt er. Diese Kenntnisse würde er gerne weiter geben, etwa an deutsche Feuerwehren oder an die Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks. Senchykhin arbeitete 100 Tage lang am Reaktor. "Ich bereue keine Minute." Im Gegenteil: "Wir kamen uns vor wie Helden. Dieses Gefühl hat uns stark gemacht." Er kenne niemanden, der auf Grund dieses Einsatzes seine Uniform an den Nagel gehängt habe.

Erschienen in "Nürnberger Nachrichten", 2.04.2007Die drei Besucher aus der Partnerstadt sind in leitenden Funktionen an der "Ukrainischen Universität für Zivilverteidigung" tätig. Kovregin interessiert sich für das System der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland. "Bei uns sind die Einsatzkräfte Teil des Militärs. Deshalb tragen wir auch die Uniformen", sagt der 48-Jährige. Das Notrufsystem in Deutschland (112) habe die Wehren in Charkiv so beeindruckt, dass dieses im vergangenen Jahr dort eingeführt wurde.

 

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