Mai 2015

Frau Rempe berichtete vor allem von Normalität in Charkiw aber auch von der Erschöpfung der Menschen, die vor allem Angst vor Teuerung, steigenden Kommunalabgaben (bei gleichzeitig stagnierenden Löhnen) und ungewisser wirtschaftlicher Zukunft haben. Sie sind oft unzufrieden mit der Regierung in Kiew und/oder  der Stadtregierung in Charkiw. Beiden wirft man vor, drängende Probleme nach "bewährter" administrativer Art anzugehen und nicht energisch genug die dringend notwendigen Reformen einzuleiten. Die alltäglichen Sorgen der Menschen ums Überleben scheinen sogar die Angst vor einem Übergreifen der Kriegshandlungen auf Charkiw zu überlagern. Beeindruckend für Frau Rempe war jedoch das effektive und auch bewundernswerte Engagement besonders junger Menschen bei der Flüchtlingshilfe - immerhin sind in Charkiw mehr als 80.000 Flüchtlinge aus den umkämpften Gebieten im Osten des Landes - und die ebenfalls hoch engagierte Arbeit der Menschenrechtsgruppe in Charkiw. Die Hilfsprojekte des Partnerschaftsvereins und das Nürnberger Haus in Charkiw sind ebenfalls Anlass zu Freude und Zufriedenheit, weil sie sehr positive Aktivitäten entfalten.

Diether Götz traf im Westen und im Zentrum eine Ukraine an, die in "Blau-Gelb" daherkommt: Brückengeländer, Bauzäune, Laternenpfähle und vieles mehr sind in den Nationalfarben angestrichen und zeugen davon, dass trotz verbreiteter Unzufriedenheit mit der aktuellen ukrainischen Innenpolitik die Ukrainer sich auf dem Hintergrund russischer Poltik auf der Krim und im Osten noch nie als eine so einige Nation empfunden haben wie jetzt. Dafür müsse man Putin ein Denkmal auf dem Majdan errichten, konnte man oft hören. Das Leben in den Städten wirkt fröhlich und entspannt, jedoch die latente Angst vor einer Ausweitung der kriegerischen Konflikte ist allgegenwärtig. Auch Diether Götz nahm den starken Eindruck mit, dass es vor allem die junge Generation ist, die die Ukraine als ihr Land ansehen, das sie für eine bessere Zukunft aufbauen wollen.

Fazit: die Ukraine immer noch voller Widersprüche und ungelöster Probleme, aber auch mit deutlichen Leuchtfeuern der Hoffnung.